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Hier schreibe ich gelegentlich Kommentare zu den Themen: Kultur, Reise und Technik:

Kategorien: Alle Kultur Reise Technik

20. Februar 2019, 16:01

Eine Frau flieht vor einer Nachricht (Schauspiel von David Grossman)

Am 9.2.2019 war ich im Kammerspiel des Schauspiels Frankfurt in dem Schauspiel „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ in der Inszenierung von Jessica Glause. Das Stück basiert auf dem autobiografischen Roman von David Grossman, dem renommiertesten israelischen Autor, der seinen Sohn Uri im Libanon-Krieg verlor.
Was für eine absurde Idee: Eine Frau flieht vor der Nachricht über den Tod ihres Sohnes im Nahostkrieg in die Wüste. Und hofft, dass sie ihn mit ihren Gedanken und Erzählen am Leben halten kann! Sie holt dazu ihren Ex-Mann, den Vater des Sohnes, der selbst im Krieg gravierend versehrt wurde und unter dem Trauma leidet. Beide irren durch die Wüste, erzählen ihr Leben und versuchen, den Sohn zu bannen!
Große graue Schaumgummimatten bedecken die Bühne, sehen wie Flauschteppiche aus und stellen die Wüste von Galiläa dar. Riesige Styroporfelsen füllen den Raum und werden von den Schauspielern unentwegt umherbewegt. Die Bühne lädt zum Klettern, Hüpfen und Kuscheln ein. Die Rolle der Frau Ora ist vierfach besetzt, die vier Schauspielerinnen sind gleich angezogen, zeigen aber unterschiedliche Typen und Reaktionen und sprechen den Text abwechselnd. So bekommt die Gestalt eine ganz eigene Wucht! Am Ende spielen sich schreckliche Kriegsszenen ab, die aber mir zu lang und zu intensiv sind. Insgesamt ein beeindruckendes Stück über menschliches Elend und zugleich ein Plädoyer für Verständigung und Frieden!

Redakteur

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13. Februar 2019, 09:50

Mina (Oper, Musik von Uwe Dierksen, Text von Sonja Rudorf)

Am 6.2.2019 sah ich im Bockenheimer Depot der Oper Frankfurt die Jugendoper „Mina“. Die 15jährige Mina hat zuerst ihren Jugendfreund Rey und jetzt gerade ihre Mutter verloren und ist verzweifelt, panisch und orientierungslos. Sie trauert um die Toten, kann ihr Leben nur zwanghaft organisieren und keine Gefühle zulassen. Ganz das Gegenteil: Der 20jährige Sonnyboy Finn lebt auf einem Hausboot in den Tag hinein, feiert Party mit seinen Freunden, spielt hervorragend Gitarre und Keyboard und singt dazu romantische Lieder. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein und treffen sich doch in Gefühl und Stimmung und verlieben sich. Doch die tote Mutter und der tote Freund tauchen mit grünlichen Schwellköpfen aus dem Untergrund auf, stören die Idylle und geben fordernde Ratschläge. Zwei grünschwarze Sirenen singen schrille und verführerische Lieder. Ein Chor aus jugendlichen Sängern und Tänzern begleitet und kommentiert das Geschehen. Mina ist hin- und hergerissen zwischen Verzweiflung, Verführung und Befreiung; sie muss sich von der Vergangenheit und allen Einflüssen befreien und ihren eigenen Weg finden.
Der Komponist und Dirigent Uwe Dierksen und die Regisseurin Ute Engelhardt haben das Stück zusammen mit den Jugendlichen entwickelt und inszeniert. Ein großes Orchester aus jungen und alten Musikern spielen die teils poetische, teils etwas laute Musik zwischen Tradition, Rock und Moderne. Alle zeigen jugendliche Begeisterung, Elan und Spielfreude, eine großartige Leistung!

Redakteur

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09. Februar 2019, 11:51

Vor Sonnenaufgang (Schauspiel von Ewald Palmetshofer nach Gerhard Hauptmann)

Am 2.2.2019 sag ich im Schauspiel Frankfurt „Vor Sonnenaufgang“ von Ewald Palmetshofer nach dem Schauspiel von Gerhard Hauptmann in der Inszenierung von Roger Vontobel. Palmetshofer, einer der erfolgreichsten lebenden deutschsprachigen Dramatiker, hat das schlesische Bauerndrama in die Jetztzeit verlagert und in unserer Sprache neu geschrieben (er nennt das eine „Überschreibung“!). Die Neureichen sind jetzt Unternehmer, die Autoteile produzieren und in Saus und Braus leben. Aus dem Sozialdrama, in dem der kapitalistische eingeheiratete Schwiegersohn Hoffmann sich mit dem sozialistischen zugereisten Jugendfreund Loth streitet, ist ein Familiendrama geworden, wo der senile Patriarch die Familie drangsaliert und die hochschwangere Tochter ihren riesigen Gummibauch über die Bühne schiebt. Der Schwiegersohn und Ehemann ist ein arroganter Schnösel, der mit populistischen Parolen prahlt, und die angereiste Schwester entpuppt sich als Versagerin, die wieder im Elternhaus Unterschlupf sucht. Ein Cellist sitzt am Bühnenrand und zirpt auf seinem Instrument; und eine schwarz gekleidete Frau (das „Schicksal“?) schleicht umher und singt melancholische Lieder. Die Bühne ist eine riesige Holztreppe mit spiegelnden Seitenwänden; man hat das Bühnengeschehen groß vor Augen und schaut gleichzeitig durch die Stufen hindurch ins Untergeschoß, wo allerdings das Obergeschoß gespielt wird, wohin sich die Familienmitglieder immer wieder zurückziehen, genial, aber irritierend! Am Beginn sind die Dialoge etwas ungeschliffen und kommen holprig rüber, dann nimmt das Stück Fahrt auf und endet in einem furiosen blutigen Geburtsdrama. Die Inszenierung zeigt allerdings etwas zu drastisch Genital beim auf den Boden Pinkeln und die Schwester Ficken und etwas zu viel Gekotze und Alkohol aus der immer bereit stehenden Bar. Der Kampf der Gebärenden ist schließlich so laut und blutig, dass die Schauspielerin, als am Ende der Beifall einsetzt, ganz irre in die Menge schaut. Insgesamt eine große Ensemble-Leistung, sehr beeindruckend und sehenswert!

Redakteur

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29. Januar 2019, 08:23

Abschied von den Eltern (Schauspiel von Peter Weiss)

Am 25.1.2019 sah ich im Schauspiel Frankfurt als Ersatz für das ausgefallene „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ das Ein-Mann-Stück „Abschied von den Eltern“ von Peter Weiss in der Inszenierung von Cornelius Eich. Das 1958 nach dem Tod seiner Mutter und seines Vaters entstandene Buch schildert die Ängste und Verlassenheit seiner Jugend und den Aufbruch zu einem selbstbestimmten Leben; es wurde zum einem Leitbild der 68er Jugendbewegung. In den autobiographischen Prosawerk schildert Weiss schonungslos und krass das autoritäre Verhalten seiner Eltern und der Schule, sein sexuelles und intellektuelles Erwachen, die inzestuöse Beziehung zu seiner Schwester Margit, die tragisch verunglückt und stirbt, das Aufblühen seiner künstlerischen Begabung und seinen Kampf um Befreiung und Anerkennung. Der renommierte Schauspieler Peter Schröder rezitiert den umfangreichen und anspruchsvollen Text sicher, konzentriert und ausdrucksstark, auch wenn er sich manchmal verspricht und oft räuspert. Er spielt in einem reduzierten Bühnenbild, das wegen des Erfolgs aus der Box des Schauspiels in die Kammerspiele übernommen wurde. Schröder erhielt großen Applaus, auch weil er wegen des krankheitsbedingten Ausfalls kurzfristig eingesprungen war!

Redakteur

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25. Januar 2019, 10:46

Capernaum – Stadt der Hoffnung (Spielfilm von Nadine Labaki)

Am 20.1.2019 war ich im Berger Kino in Frankfurt in dem Libanesischen Spielfilm „Capernaum – Stadt der Hoffnung“ von Nadine Labaki. Der Film startet mit einem spektakulären Flug über einen Slum in Beirut. In unzumutbaren Wohnverhältnissen haust da eine arme irakische Flüchtlingsfamilie mit vielen Kindern. Der Vater liegt auf der Couch und raucht. Die Mutter kreischt und schlägt die Kinder. Der 12 jährige Sohn Zain wird zu schwerer Arbeit in einem Lebensmittelladen gezwungen. Vater und Mutter besorgen gefälschte Arztrezepte und verkaufen in Drogen gewässerte Kleider ins Gefängnis. Die 13 jährige gerade menstruierende Schwester wird gegen ihren Willen zu einer Heirat mit einem Fremden gezwungen. Da reißt Zain aus, lebt auf der Straße und in einem Vergnügungspark bei schrägen Figuren und in Karussells. Er kommt zu der jungen Mutter Rahil aus Äthiopien und hütet deren 1jährigen Sohn in einer Bretterbude. Rahil arbeitet illegal in einer Küche, hat keine Papiere und ist von Abschiebung bedroht. Als sie schließlich verschwindet, werden die beiden Kinder aus der Slum-Hütte geworfen und ziehen bettelnd durch die Straßen Beiruts. Als sie nichts mehr zu essen haben, verkauft Zain den kleinen hübschen schwarzen Knaben an einen Menschenhändler, der ihm gute Adoptiveltern verspricht. Das endet dann in einem schrecklichen Jugendgefängnis, in dem sich Zain und die äthiopische Mutter wieder begegnen. Zain verklagt schließlich seine Eltern, weil sie ihn auf die Welt gebracht, aber sich nicht um ihn gekümmert haben.
Nadine Labaki hat den Film in den Slums von Beirut mit Laiendarstellern gedreht. Flüchtlingsschicksal und Überlebenskampf, ein Meisterwerk!
Beim Filmfestival in Cannes 2018 gewann er den Preis der Jury; 2019 ist er für den Oskar nominiert.

Redakteur

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22. Januar 2019, 10:15

Drei Gesichter (Spielfilm von Jafar Panahi)

Am 14.1.2019 war ich im Frankfurter Kino Orfeos Erben in dem iranischen Spielfilm „Drei Gesichter“ von Jafar Panahi. Der berühmteste iranische Filmregisseur Jafar Panahi und die bekannte Schauspielerin Behnaz Jafari fahren in seinem Geländewagen von Teheran aus aufs Land um eine Recherche für einen neuen Film zu machen. Frau Jafari hat ein Video zugespielt bekommen, in dem ein junges Mädchen vom Lande Selbstmord begeht, weil seine Eltern es nicht auf die Schauspielschule nach Teheran gehen lassen wollen, obwohl sie die Aufnahmeprüfung bestanden hat. Es ist von Anfang an fraglich, ob das ganze tatsächlich geschehen oder nur inszeniert ist, um Behnaz zu Hilfe zu holen. Sie fahren über einsame Gebirgsstraßen und durch verfallene Dörfer in Panahis Heimat, wo er deren Dialekt spricht und von den Bauern stürmisch begrüßt wird. Sie erleben dort groteske Szenen: Autohupen, die zur Verkehrsregelung dienen, eine alte Frau, die in ihrem Grab Probe liegt, einen potenten Bullen, der die Straße versperrt, und eine Familie, die sich heftig streitet. Und schließlich finden sie das Mädchen Marzieh, das nicht tot, sondern quicklebendig ist und nach heftigem Streit mit seinen Eltern schließlich mit ihnen nach Teheran fährt.
Panahi steht im Iran unter Hausarrest und hat Drehverbot, das er damit umgeht, dass er vom Auto aus dreht und dabei jeden Auflauf vermeidet. So hat er nur drei Schauspieler, sich selbst, seine Freundin Behnaz und das Mädchen Marzieh, die im Wesentlichen sich selbst spielen. Und er hat verschiedene Laiendarsteller, die dort leben, und die karge iranische Berglandschaft als großartige Kulisse. Ein phantastischer und anrührender Film! Er erhielt den Preis „Bestes Drehbuch“ beim Festival von Cannes 2018.

Redakteur

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08. Januar 2019, 12:02

Der Trafikant (Spielfilm von Nikolaus Leytner)

An Neujahr, dem 1.1.2019, war ich in Frankfurt im Kino Cinema in dem deutsch-österreichischen Spielfilm „Der Trafikant“ von Nikolaus Leytner. Er spielt im Wien der 30er Jahre, wo sich Kommunisten und Nazis aufs Messer bekämpfen.
Der 16jährige Franz wird von seiner Mutter aus seiner behüteten Umgebung am Attersee nach Wien geschickt, um bei einem Bekannten den Beruf des Trafikanten zu lernen. Sein Lehrherr hat im 1. Weltkrieg ein Bein verloren und betreibt einen Laden für Tabakwaren und Zeitungen im Wiener Zentrum. Der Junge, der etwas mystisch veranlagt ist, lernt schnell und kann bald die anspruchsvollen Kunden bedienen und seinen Chef vertreten. In seinem winzigen Laden kaufen die Wiener Prominenz und besonders die reichen Juden ihre Zigarren und Blätter. Da kommt auch regelmäßig Sigmund Freud (gespielt von Bruno Ganz), der in der Nähe wohnt, und wählt seine Zigaretten. Der junge aufgeschlossene Franz gefällt ihm, und sie freunden sich an. Die Nazis werden immer mächtiger und die Deutschen wollen „das Wiener Schnitzel Österreich“ verzehren. Franz ist in der Großstadt einsam und verliebt sich in ein böhmisches „Mädchen mit der Zahnlücke“, das illegal in Wien lebt und sich von Tingeltangel und Männerbekanntschaften ernährt. Als Franz in der Liebe die ersten Enttäuschungen erlebt, fragt er Freud um Rat und bekommt weise Ratschläge! Die Konfrontation zwischen Nazis und Juden wird immer heftiger; als Franz´s Lehrherr zu viel riskiert und im Folterkeller der Gestapo verschwindet, muss Franz den Laden allein führen und gerät schließlich selbst in die Fänge der Nazis. Schon wieder ein guter Nazi-Film, aber diesmal ein eher trauriger!

Redakteur

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05. Januar 2019, 12:32

Der Vorname (Spielfilm von Sönke Wortmann)

Am 29.12.2018 war ich in Frankfurt im Berger Kino in dem Spielfilm „Der Vorname“ von Sönke Wortmann. Er basiert auf dem gleichnamigen französischen Theaterstück von 2010 und dem französischen Film von 2012. Nun hat sich ein deutscher Regisseur dieser ganz deutschen Geschichte angenommen!
Eine ganz normale deutsche Familie: Bruder Thomas, Schwester Elisabeth, Schwager Stephan und Halbbruder René treffen sich zu einem gemütlichen Abendessen bei dem Literaturprofessor Stephan und seiner Ehefrau Elisabeth. Die Schwägerin Anna, die ein Kind erwartet, hat sich verspätet. Es wird schon ein Ultraschall-Bild des in Kürze erwarteten Knaben herumgereicht. Da wollen alle den schon beschlossenen Vornamen wissen, und nach langem Hinhalten und Raten verkündet Thomas: „Adolf“ soll der Knabe heißen! Da bricht der Sturm los; alle sind entsetzt: man kann doch einem Kind nicht den Namen des größten deutschen Massenmörders (Hitler) geben, und das zu heutigen Zeiten! Doch sind nach einiger Überlegung auch noch einige mehr Vornamen „verbrannt“, z.B. Joseph (Stalin, Göbbels), Heinrich (Himmler), Hermann (Göring) und andere. Als die angehende Mutter schließlich eintrifft, schlägt die Diskussion über den Vornamen ihres Kindes neue Wellen. Jeder kommt ins Kreuzfeuer der anderen; Jugendsünden und Familiengeheimnisse kommen ans Licht. Eine nicht unerhebliche Nebenrolle hat Iris Berben als abwesende Großmutter, die am Tegernsee wohnt und dauernd anruft. Der Halbbruder René outet sich schließlich als ihr Geliebter, und es bricht eine leichte Schlägerei aus. Am Schluss wird ein Mädchen geboren, und der Name „Adolf“ war nur ein schlechter Scherz des angehenden Vaters, um die Gesellschaft zu unterhalten!
Eine brillante deutsche Komödie?! Gibt´s denn so was? Ja, hier ist sie!

Redakteur

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02. Januar 2019, 14:19

Shoplifters – Familienbande (Spielfilm von Hirokazu Kore-Eda)

Am 27.12.2018 war ich in Frankfurt im Kino Orfeos Erben in „Shoplifters – Familienbande“ von dem japanischen Meister-Regisseur Hirokazu Kore-Eda. Der Gelegenheitsarbeiter Osamu, seine Frau Nobuyo, ihr (falscher) Sohn Shota, die Halbschwester Aki und die Großmutter Hatsue sind eine wild zusammengewürfelte japanische Familie der besonderen Art. Sie wohnen mitten in der Großstadt in einer winzigen Wohnung mit Garten und ernähren sich von Ladendiebstählen, Hehlerei, Prostitution und anderen finsteren Geschäften. Auf einem ihrer winterlichen Raubzüge entdecken sie das kleine verwahrloste Mädchen Yuri in der Kälte auf einem Balkon und nehmen es kurzerhand mit zu einer wärmenden Mahlzeit nach Hause. Da deren Eltern sie nicht vermissen und sie sich wohlfühlt, behalten sie Yuri bei sich. Yuri und Shota, dessen Eltern Verpflegungsgeld an die Oma zahlen, genießen Liebe und Geborgenheit im kleinbürgerlichen Milieu der neuen Familie. Bis der Deal auffliegt und Kriminalpolizei und Jugendamt dem Idyll ein Ende bereiten. Der Film erhielt die Goldene Palme beim Festival von Cannes 2018. Er ist unbedingt sehenswert!

Redakteur

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24. Dezember 2018, 10:00

Verbrennungen (Schauspiel von Wajdi Mouawad)

Am 14.12.2018 war ich im Kammerspiel des Schauspiels Frankfurt in dem Stück: „Verbrennungen“ von Wajdi Mouawad in der Inszenierung von Daria Bukvic. Es ist Bürgerkrieg im Libanon um 1975, und die terroristischen Parteien kämpfen mit allen Mitteln: Verrat, Raub, Mord, Kindesentzug, Bombenanschlag, Vertreibung, Vergewaltigung.
Die Mutter Nawal Marwan hat mitansehen müssen, wie eine Mutter und ihr Kind in einem brennenden Bus miteinander verschmolzen sind. Und wie ihr im Gefängnis Neugeborenes im Eimer weggetragen und (vermeintlich) in den Fluss geschüttet wird. Sie schweigt und stirbt Jahre später.
Ihr Testamentsvollstrecker gibt ihren Zwillingskindern Jeanne und Simon Marwan je einen verschlossenen Brief für einen bisher unbekannten Bruder und ihren verschollenen Vater, die sie suchen sollen. Jeanne begibt sich in den Libanon an die Orte, wo ihre Mutter gelebt hat, und entdeckt, dass ihr Vater ein Kämpfer und Terrorist war. Später fährt auch Simon dorthin und findet die Spuren eines weiteren Bruders, der ein Kämpfer war und im Gefängnis ihre Mutter verhört und gequält hat. Es wird viel vor- und zurückgeblendet, es fällt ein Vorhang nach dem anderen, und die verworrene Geschichte entwirrt sich in Stufen. Schließlich stellt sich heraus, dass Vater und Bruder dieselbe Person sind, denen die Mutter in den Briefen zugleich ihren Hass und ihre Liebe bekennt.
Heidi Ecks als Nawal ist großartig sowohl als junges Mädchen, das sein von einem Feind empfangenes Kind hergeben muss, als reife Frau, die einen Terroristenführer tötet und im Gefängnis gequält wird, wie als alte Frau, die vor dem Elend der Welt resigniert und schweigt.
Sehr beeindruckend und unbedingt zu empfehlen!

Redakteur

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